Stets auf dem neuesten Stand
Übersicht aller Beiträge. Zurück

Abmahnung wegen eines Vorschaubildes auf Facebook

Michael Weber | Internetrecht | Montag, 7.Januar 2013

Nach der aktuellen Meldung des Kollegen Weiß werden derzeit erste Abmahnungen wegen Vorschaubildern auf Facebook ausgesprochen. Hintergrund ist folgender: Wenn man auf Facebook einen Link in eine Statusmeldung einsetzt, dann fügt Facebook dieser Statusmeldung ein Vorschaubild der verlinkten Seite bei. Dies kann man mit setzen eines Häkchens zwar verhindern, was jedoch in den seltensten Fällen getan wird, so dass bei nahezu jedem geteilten Link ein solches Vorschaubild mitgepostet wird. Allein durch das Teilen eines Links verbreitet man daher ein Vorschaubild der verlinkten Seite inklusive der darin enthaltenen Fotos. Dieses Verbreiten von Fotos in Vorschaubildern wird nun abgemahnt. Der Abmahnende fordert eine strafbewehrte Unterlassungserklärung, sowie die Zahlung von Rechtsanwaltsgebühren und Schadensersatz in Höhe von insgesamt ca. € 1.800,00.

Dem Grunde nach dürfte die Abmahnung berechtigt sein. Das Verbreiten von Bildern – auch als Vorschaubild – ohne Einwilligung des Urhebers ist verboten und gegebenenfalls sogar eine Straftat. Auch die Tatsache, dass es in sozialen Netzwerken üblich ist, solche Links zu verbreiten, hilft als Verteidigung nicht weiter. Auch in sozialen Netzwerken ist geltendes Recht zu beachten.

Die Höhe der Forderung halte ich nach dem vom Kollegen Weiß geschilderten Sachverhalt zwar für deutlich überzogen. Dennoch zeigt dieser Fall, wie riskant der sorglose Umgang mit sozialen Netzwerken tatsächlich sein kann. Unternehmen sollten daher darauf achten, das Risiko im Social-Media-Bereich zu minimieren. Hierfür gibt es verschiedene Strategien.

Am einfachsten kann das Risiko verkleinert werden, wenn das Einfügen eines Vorschaubildes durch einen einfachen Klick unterbunden wird. Dies ist aber nicht immer erwünscht, da eine Statusmeldung mit Vorschaubild deutlich besser wahrgenommen wird, als eine Statusmeldung ohne solches Vorschaubild. Diese Möglichkeit gibt es im Übrigen nur bei einer Statusmeldung, einem Kommentar fügt Facebook das Vorschaubild automatisch ein, ohne dass es die Möglichkeit gäbe, dies zu unterbinden.

Eine weitere Möglichkeit ist, nur Links auf Seiten zu setzen, die ihrerseits Social-Media-Plugins verwenden („Like-Button“, „+1“, usw.). Hierdurch gibt der Seiteninhaber zu erkennen, dass er eine Verbreitung des Inhalts über soziale Netzwerke wünscht. Dies wird zwar insbesondere in solchen Fällen nicht helfen, in denen der Seitenbetreiber selbst mit der Abbildung des Bildes eine Urheberrechtsverletzung begeht. Zumindest würde hierdurch aber das Risiko weiter minimiert.

Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen lassen sich bei einer effektiven Nutzung sozialer Netzwerke Urheberrechtsverletzungen kaum ausschließen. Das Netz ist derzeit auf das Teilen von Inhalten ausgelegt, und hierbei lassen sich urheberrechtliche Ausrutscher kaum vermeiden. Vor diesem Hintergrund würde ich im Einklang mit den Kollegen Schwenke und Lampmann dazu raten, für den Fall einer Abmahnung vorzusorgen und eine Kriegskasse zu bilden. Denn auch bei unberechtigten Abmahnungen bleibt der Abgemahnte häufig auf seinen Kosten sitzen. Sowohl im Urheberrecht, als auch bei wettbewerbsrechtlichen Abmahnungen kommen hier oft Kosten zusammen, die nur mit Hilfe von Rücklagen aufgefangen werden können.

Es zeigt sich einmal mehr, dass Nutzen und Risiken der gewerblichen Nutzung von sozialen Netzwerken von jedem Unternehmen sorgsam abgewogen werden sollten. Notfalls kann kompetente Beratung helfen, Fehler zu vermeiden oder zumindest die Folgen abzumildern.