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Verträge über App-Entwicklung

Michael Weber | IT-Recht | Samstag, 1.Juni 2013

Mobile Apps, also Programme für Smartphones oder Tablets erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und nehmen ständig an Bedeutung zu. Die Apps werden online über Verkaufsplattformen (z.B. den App Store der Firma Apple oder “Google Play” für das Betreibssystem Android) erworben. Eine ständig steigende Anzahl von Unternehmen lässt sich eine App programmieren, um auch auf den genannten Plattformen vertreten zu sein. Bei der Vertragsgestaltung sind hierbei einige Besonderheiten im Vergleich mit normalen Softwareverträgen zu beachten.

Dies folgt hauptsächlich daraus, dass die App für die jeweilige Verkaufsplattform angemeldet und dort freigegeben werden muss. Insbesondere Apple schaltet ein ausführliches Prüfungsverfahren vor. Dort können nur zertifizierte Entwickler die App anmelden, Apple entscheidet dann nach ausführlicher Prüfung über die Zulassung zum App Store.

Da Verkauf ausschließlich über den App Store erfolgt, der Auftraggeber die App aber gar nicht selbst Anmelden kann, muss geregelt werden, wer das Risiko der Zurückweisung der App durch Apple trägt. Ist die Veröffentlichung der App im App Store geschuldet, so muss der Auftragnehmer ggfs. (kostenlos) nacharbeiten, bis die App im Store zur Verfügung steht. Das Prüfungsverfahren ist leider äußerst intransparent, und häufig liegt die Zurückweisung am Content, für den sich üblicherweise der Auftraggeber verantwortlich zeichnet. Ist die Veröffentlichung hingegen nicht geschuldet, dann erhält der Auftraggeber eine Software, die er mangels eigener Zertifizierung nicht anmelden und damit nicht vermarkten kann.

Ein weiteres Problem ist die Abnahmeprozedur. Der Auftraggeber wird die App vor Veröffentlichung testen wollen. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten wie die Überlassung eines Gerätes mit installierter Testversion oder aber die Nutzung eines Dienstes wie “Testflight”.

Änderungen, Fehlerbehebungen oder Erweiterungen müssen als Update über den App Store angeboten werden. Der Auftragnehmer benötigt im Gewährleistungsfall das Recht, die Fehlerbehebung als Update bereitzustellen, der Auftraggeber selbst wiederum kann mangels Zertifizierung selbst gar keine Änderungen an der App vornehmen. Es bietet sich daher an, ein entsprechendes Änderungsmanagement im Vertrag explizit zu regeln.

Wird die App mit Hilfe der Entwicklungsumgebung xcode Programmiert, so stellt sich das weitere Problem, dass ein Teil des Quellcodes keine eigene Programmierleistung darstellt. Da der Urheberrechtsschutz der Software auch den Quellcode umfasst, muss bei der Rechteeinräumung sichergestellt werden, dass dem Auftraggeber nicht mehr Rechte an der Software eingeräumt werden, als der Auftragnehmer im Rahmen seiner Lizenz übertragen darf.

Fazit: Der Appentwicklungsvertrag hält einige Besonderheiten bereit. Eine Beratung durch einen spezialisierten und erfahrenen Rechtsanwalt ist daher unerlässlich.